Diese Woche habe ich einen Freund in Darmstadt besucht. Wir haben uns die Stadt angeschaut und viel geredet. Irgendwann ging es um mein ADHS. Ich habe erzählt, wie ich mein ADHS bemerkt habe. Und warum ich nach einigen Jahren zum Arzt gegangen bin. Ich habe eine offizielle Diagnose bekommen und nehme jetzt Medikamente. Über meinen Weg zur Diagnose habe ich schon im letzten Text geschrieben. Die Medikamente helfen mir, aber sie lösen nicht alle Probleme.
Mein Freund und ich haben darüber gesprochen, ob es überhaupt „normal“ gibt. Wir beide mögen das Wort „neurodivergent“ nicht besonders. Dieses Wort bedeutet nämlich, dass andere Menschen „neurotypisch“ – also normal – sind. Ich finde: Damit steckt man Menschen nur wieder in Schubladen. Und Schubladen führen oft dazu, dass man Menschen in „gut“ oder „schlecht“ einteilt.
Der Autor Robert Roy Britt hat dazu einen sehr guten Artikel geschrieben. Er heißt: The Problem with Neurodiversity (Das Problem mit der Neurodiversität). Am Ende sind alle Menschen verschieden. Man kann sich das wie eine lange Linie vorstellen (ein Spektrum). Die meisten Menschen stehen in der Mitte. Das hat man früher „normal“ genannt. Aber es gibt auch viele Menschen links und rechts von der Mitte. Diese Menschen sind nicht besser oder schlechter. Sie sind einfach nur anders.
Mein Freund hat mich gefragt: „Möchtest du so sein wie die breite Masse?“ Meine Antwort war sofort: „Nein, auf keinen Fall.“
Ich nehme die Medikamente nicht, um so zu sein wie alle anderen. Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt geht. Das Medikament hilft mir einfach, meine Gedanken zu ordnen. Mein Kopf fühlt sich dadurch klarer an. Ich kann mich besser organisieren.
Aber das Medikament macht mich nicht perfekt. Die bessere Konzentration kostet mich auch viel Kraft. Außerdem bleiben meine Stärken gleich: Ich bin kreativ, denke logisch und kann gut mit Menschen sprechen. Das Medikament ändert meinen Charakter nicht. Wenn es das tun würde, würde ich es sofort absetzen.
Ich mag mich so, wie ich bin. Das Medikament ist für mich nur ein Werkzeug, das mir das Leben leichter macht.
Bild: Heidas, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons